Der Projektdialog Microtunneling in Ettlingen hat erneut seine Stellung als zentrale Plattform für den informellen und fachlichen Austausch rund um den Rohrvortrieb bestätigt.
Vieles war wie in den Jahren zuvor. Mit rund 150 Teilnehmern war der Tagungsort, die Buhlsche Mühle in Ettlingen, bis an die Kapazitätsgrenze ausgebucht. Viele von ihnen sind regelmäßig beim Projektdialog dabei, kennen sich über Jahre und schaffen eine vertraute und fruchtbare Atmosphäre für Begegnung, Kommunikation und Austausch. Den fachlichen Rahmen setzen als Veranstalter die Unternehmen VMT und Jackcontrol mit praxisnahen Themen und kompetenten Referenten.
Mehr Sicherheit und Effizienz
Einen ersten Hinweis bekamen die Teilnehmer bereits beim Betreten der Buhlschen Mühle: Gelbe Kabel und Boxen waren im Treppenhaus zu sehen. Diese Installation vermittelte einen praktischen Eindruck von Innovationen der gastgebenden Unternehmen. Dr. Stefan Trümpi von Jackcontrol und Jürgen Göckel von VMT nutzten den diesjährigen Projektdialog, um mit MT.connect 2 und TunnelHub Weiterentwicklungen für mehr Effizienz und Sicherheit im Rohrvortrieb vorzustellen. Mit MT.connect 2 wurde die Hardwareplattform MT.connect 1 mit Blick auf die Datenübertragung und die technische Ausrüstung im Tunnel optimiert. Im Ergebnis finden Datenübertragung, die Bereitstellung von WLAN auf gesamter Tunnellänge, Kommunikation und Plug-in-Video im Tunnel, Beleuchtung und Eigenstromversorgung über nur ein Kabel statt und die Zahl der notwendigen Datenboxen im Tunnel wird deutlich reduziert.
Werkzeug für die Energiewende
Nach der Fertigstellung des Emscherprojektes durchschritt die Konjunktur im Rohrvortrieb eine gewisse Talsohle. Die Energiewende sorgt jedoch für eine Belebung. Dies spiegelte sich auch im Vortragsprogramm des Projektdialoges wider. Zwar kommt auf den Stromtrassen bei grabenlosen Verlegungen überwiegend die Horizontalspülbohrtechnik zum Einsatz, aber dort, wo die Randbedingungen es erfordern, ist auch der Rohrvortrieb gefordert. Was Microtunneling in diesem Anwendungsfeld für Lösungen zu bieten hat und über die besonderen Herausforderungen, denen sich dieses Bauverfahren bei der grabenlosen Verlegung von Stromkabeln stellen muss, darüber berichteten aus der Perspektive der Planung am Beispiel des Großprojektes Südlink Miriam Stallmann und Alexander Wassner von der ILF Beratende Ingenieure AG. Von Schleswig-Holstein bis nach Bayern werden auf eine Trassenlänge von 700 Kilometern 2.420 Kilometer Erdkabel verlegt. Auf den beiden südlichen Bauabschnitten E1und E2 wurden insgesamt zehn Querungen als Mikrotunnel ausgeführt. Gequert wurden insbesondere Bahnstrecken, Autobahnen, Gewässer sowie Wälder und Biotope. Dabei war neben den spezifischen Anforderungen bei Querungen von Autobahnen und Bahnlinien insbesondere die Wärmeleitfähigkeit in der Planung zu berücksichtigen.
Anspruchsvolle Projekte
Um Energie ging es auch im Vortrag von Ulrich Hermann von der F.Preisig AG und Sebastian Böheim von der ILF Beratende Ingenieure Zürich. Sie berichteten über das Projekt Heiligbergstollen bei Winterthur. Der dazugehörige Rohrvortrieb war anspruchsvoll. Wie die damit verbundenen Herausforderungen bewältigt wurden, das war Thema des Vortrages. Hierzu gehörte ein plötzliches Ansteigen der Pressenkräfte nach 860 Metern Vortrieb und Schäden an zwei Vortriebsrohren im Rohrstrang bei 520 Metern. Alle 25 Zentimeter wurden die beschädigten Rohre geschnitten, ausgebaut und der Ringspalt zusammengeschoben. So konnte das Problem gelöst und der Vortrieb erfolgreich fortgesetzt werden.
